Branchenspezifische Rahmenbedingungen

Mit unseren Produkten bedienen wir eine Vielzahl von Branchen. Die wichtigsten Abnehmerbranchen sind die Chemie-, die Bau-, die Elektro- und Elektronik- sowie die Photovoltaikindustrie.

Chemische Industrie weltweit wächst

Die chemische Industrie hat sich im Jahr 2019 global gut entwickelt. Dabei verschieben sich die Wachstumszentren immer mehr in Richtung der aufstrebenden Schwellenländer – vor allem nach Asien. Investitionen finden verstärkt in Ländern mit geringen Energie- und Rohstoffkosten statt. Europa profitiert über den Außenhandel von den Wachstumsmärkten. Der weltweite Branchenumsatz (inkl. Pharmazeutika) lag nach Angaben des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) im Jahr 2018 bei 4,6 Bio. €, mehr als 50 Prozent davon kamen aus Asien.

Für die chemische Industrie in Deutschland war 2019 ein schwieriges Jahr. Der Umsatz in Deutschlands drittgrößter Branche verringerte sich laut VCI um 5,0 Prozent auf 193 Mrd. € (2018: 204 Mrd. €). Unter dem weltweiten Abschwung der Konjunktur und den Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA litt das Auslandsgeschäft der Branche. Gleichzeitig sank im Inland die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen von Industriekunden. Dadurch ging die Produktion in der chemisch-pharmazeutischen Industrie insgesamt um 7,5 Prozent zurück. Die Auslastung der Anlagen deutscher Chemieunternehmen lag 2019 bei rund 83 Prozent.

Bauindustrie wächst im Jahr 2019

Die Bauwirtschaft hat sich im Jahr 2019 positiv entwickelt. Nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts B + L Marktdaten GmbH sind die globalen Bauinvestitionen um 2,0 Prozent auf 9,32 Bio. US-$ gestiegen (2018: 9,14 Bio. US-$). Die weltweite Bauwirtschaft entwickelte sich in den einzelnen Märkten allerdings unterschiedlich, wie die regionale Betrachtung zeigt: Während die Bauinvestitionen in Asien, Westeuropa, Nordamerika sowie im Nahen Osten und Afrika gestiegen sind, waren die Ausgaben in Südamerika und Osteuropa rückläufig.

Wachstumsrate der Bauleistungen nach Regionen 2019

in %

Wachstumsrate der Bauleistungen nach Regionen 2019 (Balkendiagramm)
Quelle: B + L Marktdaten GmbH, Stand 12/2019

Elektro- und Elektronikindustrie wächst in Schwellenländern

Der weltweite Markt der Elektro- und Elektronikindustrie ist im Jahr 2019 nach Schätzungen des Zentralverbandes der Elektronik- und Elektroindustrie (ZVEI) um vier Prozent gewachsen und erreichte ein Volumen von rund 4,56 Bio. € (2018: 4,42 Bio. €). Dafür verantwortlich sind vor allem China und die Schwellenländer, die um sechs beziehungsweise um fünf Prozent zulegen konnten.

Die Photovoltaik etabliert sich als tragende Säule der weltweiten Energieversorgung

Die globale Solarbranche ist im Jahr 2019 weitergewachsen. Nach Angaben verschiedener Marktstudien sowie eigener Marktuntersuchungen wurden weltweit ca. 120 Gigawatt (GW) neu installiert (2018: ca. 105 GW). Das sind rund 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Jahresende 2019 waren damit weltweit mehr als 600 GW Photovoltaikleistung installiert. Rund die Hälfte der Neuinstallationen wurden 2019 in China, Indien, Japan und den USA getätigt. Durch eine veränderte Förderpolitik sind die Neuinstallationen in China zwar von 44 GW im Jahr 2018 auf 30 GW im Jahr 2019 gesunken, dies wurde jedoch durch das starke Wachstum in einer Vielzahl von Märkten ausgeglichen.

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Neu installierte PV-Leistungen 2019 und 2018

 

 

 

Neu installierte PV-Leistungen (MW)

 

Wachstum
2019

 

 

2019

 

2018

 

%

Quellen: Bundesnetzagentur, Commissariat Général au Développement Durable, Solar Energy Industries Association (SEIA), RTS Corporation, China National Energy Agency, Ministry of New and Renewable Energy, Bridge to India, Marktstudien, eigene Marktuntersuchungen von WACKER (Tabelle ungeprüft)

 

 

 

 

 

 

 

Deutschland

 

4.000

 

3.000

 

33

Spanien

 

4.700

 

400

 

1.075

Übriges Europa

 

13.000

 

8.100

 

60

USA

 

13.000

 

10.600

 

23

Japan

 

7.500

 

7.000

 

7

China

 

30.200

 

44.300

 

-32

Indien

 

8.500

 

8.500

 

0

Übrige Welt

 

39.100

 

23.100

 

69

Gesamt

 

120.000

 

105.000

 

14

Trotz der global gestiegenen Neuinstallationen blieben die Marktbedingungen in der Photovoltaikindustrie herausfordernd. In den USA und Indien sorgen Strafzölle auf importierte Solarzellen und Module für höhere Preise und damit für ein gebremstes Wachstum in diesen Märkten. In China wird erst im Jahr 2020 wieder mit Wachstum gerechnet. Wegen der hohen Überkapazitäten, die von chinesischen Herstellern aufgebaut worden sind, hielt der Preisdruck auf allen Wertschöpfungsstufen weiter an. Das hat dazu geführt, dass sich die finanzielle Situation zahlreicher Solarunternehmen über das Gesamtjahr betrachtet nicht verbessert hat.

Marktpreisentwicklung der für WACKER wichtigsten Rohstoffe in Europa

Marktpreisentwicklung der für WACKER wichtigsten Rohstoffe in Europa (Grafik)

Rohstoffpreise niedriger als im Vorjahr

Die Rohstoffpreise waren 2019 insgesamt niedriger als im Vorjahr. Im zweiten Quartal setzte in Europa ein starker Preisverfall für Siliciummetall ein, welcher im vierten Quartal seinen Boden erreichte. Für diese Entwicklung war einerseits ein Nachfragerückgang auf Grund hoher Bestände sowie niedrigerer Absätze insbesondere im Bereich Aluminiumlegierungen verantwortlich. Andererseits drückten Überkapazitäten aus China auf die Weltmarktpreise, welche zu temporären Produktionsstilllegungen für Siliciummetall in Europa führten. Die Ethylenpreise in Europa wurden im Wesentlichen durch den Hauptkostenfaktor Naphtha und damit durch die Entwicklung der Erdölpreise bestimmt. Die sehr gute Angebotssituation sowie die Bewegungen der Kohle- und Ölpreise, welche für die fundamentale Preisbildung von Methanol ausschlaggebend sind, führten zu stark sinkenden Methanolpreisen im Jahresverlauf. Der Preis für Vinylacetatmonomer ging nach einem starken Preisanstieg 2018 im Jahr 2019 wieder deutlich zurück.

Strom- und CO2-Preise steigen

Die Preise der für WACKER wichtigsten Energieträger waren im Jahr 2019 deutlich höher als im Vorjahr. Die Preise auf dem globalen Rohölmarkt stiegen auf Grund von OPEC-Förderkürzungen und geopolitischen Spannungen an, gaben allerdings wieder nach. Die Diskussion um einen möglichen Kohleausstieg und hohe CO2-Preise führten in der ersten Jahreshälfte 2019 zu einem Anstieg der Strompreise. Im weiteren Jahresverlauf setzten dagegen historisch niedrige Gas- und Kohlepreise sowie eine geringere Nachfrage von Seiten der Industrie die Preise unter Druck. Der heiße Sommer und die begrenzte Planbarkeit bei der Erzeugung von Strom durch erneuerbare Energieträger ließen die Preise unterjährig stark schwanken. Zusätzlich sind die Strompreise in Deutschland mit Abgaben und Umlagen belastet. Dazu gehören unter anderem Netzentgelte, Stromsteuer und die EEG-Umlage.

Nachdem bereits im Jahr 2018 die CO2-Preise deutlich gestiegen sind, erreichten sie im Juli 2019 auf Tagesbasis ein 11-Jahres-Hoch von 29 € pro Tonne. In der zweiten Jahreshälfte stabilisierten sich die Preise im Bereich von 25 € pro Tonne. Dabei wies der Preisverlauf eine erhebliche Volatilität auf.

Marktpreisentwicklung der für WACKER relevanten Energieträger

Marktpreisentwicklung der für WACKER relevanten Energieträger (Grafik)

Vorjahresvergleich